Kurzer Überblick über die Geschichte unserer Gemeinde

Am äußersten Südosten des Landkreises Kassel liegt die Gemeinde Söhrewald. Sie entstand am 1. Dezember 1970 durch den freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Wellerode, Wattenbach und Eiterhagen. Der waldbedeckte Höhenzug der Söhre, der der neuen Gemeinde ihren Namen gab, erstreckt sich vom Ostufer der Fulda bis zum Stiftswald. Die Söhre ist ein altes Siedlungsgebiet. Ihr Name leitet sich ab von "soor" oder "sör" und bedeutet "trocken". So mangelte es den ersten Ansiedlern auf den ausgedehnten Hochflächen oft an Wasser, und sie waren bald wieder zur Aufgabe ihrer Rodungen gezwungen. Eine dieser aufgegebenen Siedlungen hieß Lubesrode. Sie ist mit ihrer sagenumwobenen Kapelle St. Juliane längst verschwunden. Nur der "Glockenborn" und die Ruine "Stückkirchen" sind Zeugen aus vergangener Zeit und heute noch Wanderziel vieler Ausflügler. Wellerode, Wattenbach und Eiterhagen, in den Tälern des Fahrenbaches, des Wattenbaches und der Mülmisch gelegen, boten ihren Bewohnern genügend Wasser. Ansonsten fanden die Menschen dort nur ein karges Auskommen, denn viel gaben die Felder der kleinen, hängigen Rodungsgemarkung nicht her. So war man gezwungen, auch den Wald für den Lebensunter­halt zu nutzen. Lange Zeit hatten diese Bewohner in ihm das Huterecht. Er bot ihnen außerdem Holz, Beeren und Pilze. Fleißige Frauen- und Kinderhände sorg­ten für bescheidene Nebeneinnahmen. Allein die Gemarkung Wellerode hatte 3.560 ha Wald und nur 461 ha Feldflur. So fanden viele Bewohner der Söhredörfer ihr Auskommen als Waldarbeiter und "Kulturfrauen". Das Jagdrecht durften sie allerdings nicht ausüben. Das war in damaliger Zeit den adeligen Herren vorbehalten. Die wildreichen Wälder waren oft Schauplatz prunkvoller Treibjagden hessischer Landgrafen. Auch Jerome, der "König Lustik", kam des Öfteren in die Söhre, um Jagd auf Hirsche zu halten. Schon in der Vergangenheit hatten die drei Söhredörfer Einiges Gemeinsam. Ihre Entstehung lässt sich etwa auf die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert festlegen.

 

Nach vorhandenen Urkunden aus dem Jahr 1289 ist Eiterhagen der älteste Ort. Wattenbach wird im Jahr 1323 erstmalig urkundlich erwähnt. Eine schriftliche Lehensübergabe aus dem Jahr 1351 ist Grundlage für die mehr als 600-jährige Geschichte des Dorfes Wellerode. Während Watten­bach seit seinen Anfängen den Namen nahezu in gleicher Schreibweise beibehielt, fand Eiterhagen über Eyterhayen, Eiterbachhayen, Edderhöhe zu seinem heutigen Namen. Aus Wynebolderohe, Weiderade, Welwolderade und Wellerodt wurde endlich Wellerode. Alle drei Söhregemeinden unterstanden dem "Amt" Oberkaufungen. So mancher Bewohner musste "auf Schusters Rappen" über den "Amtspfad" durch die Wälder der Söhre und des Stiftswaldes zur hohen Obrigkeit marschieren. Die Entwicklung der Söhredörfer litt unter ihrer Weltabgeschiedenheit. Die schlechten Verkehrverhältnisse beließen sie auf der Stufe von Kleinsiedlerdörfern. Die karge Landwirtschaft und der Wald blieben über Jahrhunderte die Lebensgrundlage ihrer Bewohner. Der große Umbruch wurde erst mit dem Bau der Söhrebahn in den Jahren 1911/12 eingeleitet. Mit ihrer Inbetriebnahme konnten die Arbeiterplätze in Kassel schneller und bequemer erreicht werden. Bessere Aus­bildung und mehr Berufs­möglichkeiten wurden den Bewohnern der Söhredörfer damit geboten. Bescheide­ner Wohlstand kam in die Familien. So mancher konn­te sich den Wunsch nach ei­nem eigenen Häuschen er­füllen. Jetzt war es auch möglich, die heimischen Basalt- und Braunkohlevorkommen bes­ser zu erschließen und in­tensiver zu nutzen, da die Söhrebahn für den rei­bungslosen Transport sorg­te. Damit wuchs auch die Zahl der Arbeitsplätze in heimischer Umgebung. So wurde vor allem Watten­bach mit der Zeche Stellberg zu einem Bergmannsdorf. Die Bergmannstradition wird bis zum heutigen Tag gepflegt. Bei örtlichen Ver­anstaltungen kann man Bergleute in ihren schmucken Umformen be­wundern. In der Bedeutung gleichrangig mit dem Braunkohlebergbau war die Arbeit in den Basaltbrüchen der Söhre. So waren im Jahr 1927 350 Arbeiter in den verschiedenen Brüchen in der Söhre beschäftigt. Diese Arbeitsplätze beste­hen heute nicht mehr. Mit­telständische Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind zwar noch vorhanden, doch der weitaus größere Teil der Erwerbstätigen Söhrewalds hat seinen Arbeitsplatz in Kassel oder im näheren Umland.

Die Söhrebahn musste im Jahr 1966 wegen mangeln­der Rentabilität den Schie­nenverkehr einstellen. Der Busverkehr auf der Straße hat ihre Aufgabe übernom­men. Doch die meisten Be­rufstätigen aus Söhrewald fahren wie die anderen Um­landbewohner der Stadt Kassel mit ihrem eigenen Auto zum Arbeitsplatz. Söhrewald ist zu einer Arbeitnehmerwohnsitzgemeinde geworden. Ihr Ka­pital ist die unversehrte Waldlandschaft. Die außer­ordentlichen landschaftli­chen Schönheiten der viel­gestaltigen Mischwälder mit stillen Tälern und idylli­schen Wasserflächen bieten ausgezeichnete Vorausset­zungen für Naherholung und Fremdenverkehr. Um die alten Ortskerne mit ihren gediegenen Fach­werkhäusern sind neue Wohngebiete entstanden. Inzwischen ist die Zahl der Bürger auf ca. 5.000 angewach­sen. Söhrewald ist ein Ort mit Zukunft. Die Entwicklung zu einer attraktiven Ge­meinde mit hohem Wohnwert und hoher Lebensqua­lität geht weiter.